Blasiuskirche

Jede alte Kirche ist sichtbare Manifestation von Spiritualität aber auch pragmatischer Alltagsbewältigung von Generationen. Hier wurde und wird Glauben gelebt, zelebriert und inszeniert. Aber auch Markt wurde hier getrieben, weltliche Geschäfte wurden abgewickelt oder Neuigkeiten gehandelt. Auch für das Seelenheil des Einzelnen gab es pragmatische All-Inclusive-Angebote. Die Grabmäler, Gedächtnisbilder und frommen Stiftungen in St. Blasius geben uns davon Zeugnis. Wir, für die die Sphären des persönlichen Glaubens und der profanen Realität so säuberlich getrennt scheinen, dass auf uns diese mittelalterliche Weltsicht fast blasphemisch wirkt.
Die Legende des heiligen Blasius, stellvertretend für unzählige Heilige, ist ein weiteres Beispiel für die Vielschichtigkeit „alten“ Weltverständnisses. Geheiligt wurde er nicht in erster Linie durch seine Werke, sondern durch den körperlichen Schmerz, den er gelitten hat und schließlich seinen Märtyrertod. Das propagierte Leiden dieser Vorbilder im Glauben war Realität für unsere Vorfahren und sicher auch durch ihre Alltagserfahrungen einer gewalttätigen, unsicheren Welt geprägt oder legitimiert. Die Imagination des (der) Schmerzensmannes(-frau) ist in all diesen Opfertoden impliziert. Der Ort der Kirche gibt Zeugnis nicht nur von Spiritualität, sondern auch von Schmerz und Leid ohne dass wir dies bewerten können. Mit unserer künstlerischen Arbeit an diesem Ort versuchen wir, dieser Imagination Raum zu geben.

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Katharina Bauer und Johannes Stein

Katharina Bauer und Johannes SteinKunst

„Kunst ist für mich eine Äußerung von genuiner Wahrnehmung der Welt, die herausfordert. Deshalb tue ich das, was ich tue in der Weise.“
Katharina Bauer (M.A.), Studium der Freien Kunst und visuellen Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel anschließend Studium der Kunst- und Erziehungswissenschaften. Neben ihrem praktisch-künstlerischen Schaffen war sie u.a. als freie Museumspädagogin sowie Kunstvermittlerin auf der Documenta 12 tätig. Jetzt arbeitet sie als Kunstpädagogin an der Montessorischule Göttingen.

„Die fest gefügten Demarkationslinien zwischen Theorie und Praxis, Wissenschaft und Kunst etwas in Unordnung bringen...“
Johannes Stein (M.A.), geboren im Waldeckschen, nach der (zum Glück) missglückten Aufnahmeprüfung für die Kunsthochschule Kassel Geschichts- und Kunstwissenschaftsstudium mit dem Schwerpunkt mittelalterliche Geschichte und Kunst an der Universität Kassel.